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  1. Homosexualität und Christentum – Wikipedia

    de.wikipedia.org › wiki › Homosexualität_und
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    Die römisch-katholischen Kirchen, die orthodoxen Kirchen, einige konservativere Kirchen der anglikanischen Gemeinschaft und die meisten evangelikalen und pfingstlerischen Freikirchen und Gemeinschaften sind der Meinung, gleichgeschlechtliche Sexualbeziehungen widersprächen dem Willen Gottes, wobei sich dies von der Ansicht der Mitglieder stark unterscheiden kann. Viele gläubige Christen argumentieren[1], dass das Gebot der Nächstenliebe über Passagen zur Homosexualität in der Bibel steht.

    Eine Reihe protestantischer Kirchen, vorwiegend in westlichen Ländern, haben sich akzeptierend gegenüber Homosexualität positioniert. Sie wird dort nicht als Sünde gesehen; teilweise werden gleichgeschlechtliche Partnerschaften akzeptiert und den Ehen von heterosexuellen Paaren gleichgestellt. Wo keine Gleichstellung erreicht wurde, sind zumindest kirchliche Segnungsfeiern möglich. In der Bibel werden an einigen Stellen gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen thematisiert. Dem Alten Testament zufolge verbietet Gott dem Volk Israel verschiedene sexuelle Praktiken, darunter auch den Beischlaf von Männern bei Männern, und sieht für diese Handlungsweisen die Todesstrafe vor; Lev 18,22 LUT: Du sollst nicht bei einem Manne liegen wie bei einer Frau; es ist ein Greuel. Nach Wilhelm Korff gehört das Verbot gleichgeschlechtlichen sexuellen Verhaltens im Pentateuch theologie- und kulturgeschichtlich in den Umkreis jener vielfältigen Reinheits- u.[nd] Heiligungsgebote, wie sie sich für Israel in Abgrenzung zu den kanaanäischen Fremdkulten aus der Heiligkeit Jahwes ergeben (Lev. 17,126,46). Insbesondere die im Baalskult sanktionierte homosexuelle wie heterosexuelle sakrale Prostitution erschien als mit dem Jahwekult schlechthin unvereinbar (1 Kön 15,12 EU; 2 Kön 23,7 EU).[3] Im Bereich der protestantischen Kirchen gibt es eine große Bandbreite von theologischen Lehrmeinungen und ethischen Positionen zum Thema. Die Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland ließ 2016 verlauten, homosexuelle Paare seien gleichberechtigt. Somit sei auch für diese Paare eine Trauung möglich, es würde dabei ausdrücklich kein Unterschied zu normalen Partnerschaften gemacht.[51] Neben der Landeskirche im Rheinland[52] ermöglichen die Landeskirche Hessen-Nassau[53], die Landeskirche Hessen-Waldeck[54], die Evangelische Landeskirche in Baden[55], die Lippische Landeskirche[56], die Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg[57], Evangelische Kirche in der Pfalz[58], die Reformierte Landeskirche[59], die Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz[60] und die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannovers[61] durch ihre Synoden kirchliche Trauungen für gleichgeschlechtliche Paare.[62]

    Im Neuen Testament verurteilt Jesus in Mk 7,21f. EU homosexuelle Praxis zusammen mit anderem Fehlverhalten. Dieser Lasterkatalog nennt an erster Stelle porneia (Unzucht). Der Ausdruck bezeichnete damals alle Formen von Sexualverkehr außerhalb der heterosexuellen Einehe. Jesus hat in Mk 7,19 EU die Speise- und Zeremonialgesetze aufgehoben, demgegenüber aber in Mk 7,21f. die moralischen Gebote wiederholt.[4]

    Paulus behandelt das Thema Homosexualität in Röm 1,27 EU, in 1 Kor 6,911 EU; auch im vermutlich deuteropaulinschen 1 Tim 1,810 EU kommt es zur Sprache. Gleichgeschlechtliches Sexualverhalten wird scharf verurteilt. Ob Paulus bei seinen Ausführungen im theologischen und literarischen Sinne direkt an die alttestamentlichen Texte anknüpft oder hauptsächlich seine unmittelbare heidnisch-römische Umwelt vor Augen hat, ist in der theologischen Forschung umstritten.[5]

    Manche Ausleger sind der Ansicht, die ablehnenden Aussagen bezögen sich auf Formen sexueller Kontakte, die typisch gewesen seien für die damalige römisch-hellenistische Gesellschaft: nämlich auf sexuelle Kontakte zwischen römischen Bürgern bzw. freien Einwohnern der römischen Provinzen einerseits und männlichen Sklaven bzw. halbwüchsigen Sklavenknaben andererseits,[6] also auf asymmetrische Sexualbeziehungen. Über die genaue Bedeutung der griechischen Wörter, die Paulus verwendet (aschämosünä [Röm 1], arsenokoitai [1. Kor 6]), herrscht unter den Exegeten keine Einigkeit. Andere Ausleger, etwa der Präses Alfred Buß, betonen, anlagebedingte Homosexualität sei nicht im Blick der jeweiligen Autoren gewesen, da die diesbezüglichen medizinischen, anthropologischen und sexualwissenschaftlichen Erkenntnisse noch nicht vorgelegen hätten.[7] Der Bonner Sozialethiker Hartmut Kreß will in diesem Zusammenhang die einschlägigen Bibelstellen als zeitbedingte Ausdrucksformen der Abgrenzung Israels oder des frühen Christentums von damaligen Fremd-, Fruchtbarkeits-, und Sexualkulten, von Tempelprostitution und von der heidnischen Umwelt verstanden wissen. Die heutige Erkenntnis, dass bei zahlreichen Menschen die gleichgeschlechtliche Neigung ein tief verankertes Persönlichkeitsmerkmal ist, war ihnen noch nicht im Blick.[8] Eine Befragung des Vatikans aus dem Jahre 2013 ergab, dass 60 Prozent der Befragten sich eine Anerkennung und Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften wünschen. Allerdings zeige sich hier eine Polarisierung zwischen entschiedener Ablehnung und klarer Zustimmung.[15] Eine generelle Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften mit dem Ehesakrament wird jedoch abgelehnt.[26] So schreibt der christkatholische Bischof Fritz-René Müller: Während gleichgeschlechtliche Paare nicht getraut werden können, besteht aber die Möglichkeit die Partnerschaft segnen zu lassen.[28] Zur Begründung dieser Praxis wird unter anderem darauf verwiesen, dass sich die Tradition der Freundschaftssegnung [] bis ins zwölfte Jahrhundert historisch belegen lässt.[26] In der deutschen alt-katholischen Kirche ist es dabei dem zuständigen Pfarrer freigestellt, eine solche Segnung vorzunehmen oder abzulehnen. Viele Freikirchen sehen homosexuelle Handlungen als Sünde, akzeptieren aber Schwule und Lesben, die zölibatär leben. So gibt es besonders in der Ex-Gay-Bewegung Stimmen, die die Ablehnung von Homosexuellen deutlich verurteilen. So sagt Stanton L. Jones: If you cannot empathize with a homosexual person because of fear of or revulsion toward them, then you are failing our Lord. (Wenn du aus Angst oder Ablehnung nicht mit einer homosexuellen Person mitfühlen kannst, enttäuschst du unseren Herrn.)[31]

    Nach der Lehre der orthodoxen Kirchen hat jeder Mensch böse Neigungen. Solche Neigungen an und für sich werden nicht als sündhaft angesehen, aber das Ausleben solcher Neigungen wird als Sünde betrachtet. Die Gläubigen sind angehalten, ihnen nicht nachzugeben, sondern sie ihr Leben lang zu bekämpfen. Aus orthodoxer Sicht ist praktisch niemand immer erfolgreich im Kampf gegen seine bösen Neigungen, aber es wird erwartet, dass die Gläubigen gegen sie ankämpfen, und dass Priester und Älteste sie dabei seelsorgerlich unterstützen und mit den Schwächen der Gläubigen Geduld haben. Da orthodoxe Christen aber dazu verpflichtet sind, volle Verantwortung für die Lehren und Praxis der Kirche zu tragen, kann jemand, der homosexuelle Handlungen gutheißt, nicht an der sakramentalen Gemeinschaft der orthodoxen Kirche teilhaben das betrifft also nicht nur die Priesterweihe, sondern auch die Kommunion.[21]

    Während offen homosexuell lebende Schwule und Lesben nicht zu den Sakramenten zugelassen sind, vertritt die orthodoxe Kirche, dass sie bezüglich bürgerlicher Rechte nicht schlechter dastehen dürfen als andere Nicht-Orthodoxe, und ausdrücklich, dass es gegen die christliche Lehre ist, sie zu hassen oder zu verachten. Zum Zweck der bürgerlichen Gleichberechtigung werden von manchen Orthodoxen auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften befürwortet. Solche Partnerschaften werden jedoch nie als eheähnliche Verbindungen gesegnet. Wo gleichgeschlechtliche Partnerschaften gesetzlich als Ehe bezeichnet werden, wird das von orthodoxen Christen toleriert wie Gesetze über Abtreibung oder Scheidung toleriert werden, aber so wenig wie diese anerkannt oder befürwortet.[22] Inwieweit die Forderung nach gleichen bürgerlichen Rechten mit Nicht-Orthodoxen mit der Forderung der Russisch-Orthodoxen Kirche, dass Lesben und Schwule keine Berechtigung erhalten, sich in leitenden Militärfunktionen oder auf dem Gebiet der Bildung oder Erziehung beruflich zu betätigen,[23] vereinbar ist, bleibt dahingestellt; ebenso wie die Teilnahme orthodoxer Christen an Gegendemonstrationen zu Lesben- und Schwulendemonstrationen, bei denen Lesben und Schwule mit Eiern beworfen und verprügelt worden sind, schwer mit der christlichen Lehre zu vereinbaren ist, dass Hass und Verachtung zu verurteilen seien.[24] Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (und viele aus ihr hervorgegangene Gemeinschaften und Kirchen) spricht sich gegen praktizierte Homosexualität aus.[65] Ausgelebte Homosexualität ist {} eine schwerwiegende Sünde. Sie steht dem Zweck der Sexualität entgegen.[66] Ein Verstoß dagegen kann zu Kirchenstrafen und Exkommunikation führen. Die Mitglieder werden dazu angehalten, homosexuellen Glaubensbrüdern und -schwestern mit Liebe und Respekt zu begegnen. Der ehemalige Präsident Gordon B. Hinckley äußerte sich dazu folgendermaßen: Zeugen Jehovas lehnen Homosexualität ab, da gemäß der Bibel Gott die Sexualität nur für die Ehe zwischen Mann und Frau gedacht habe.[68] Die gleichgeschlechtliche Liebe ist in den Augen Gottes und in den Augen gerechtigkeitsliebender Menschen etwas Verabscheuungswürdiges und ein Greuel.[69] Schwule und Lesben werden, sofern sie nicht abstinent leben, aus der Glaubensgemeinschaft ausgeschlossen.[70] Dennoch fordert die Glaubensgemeinschaft dazu auf, jeden Menschen ungeachtet seiner sexuellen Orientierung zu achten und freundlich zu behandeln.[68] In Kulturen, die die Homosexualität traditionell ablehnen, wird diese Ablehnung in der Regel sowohl von den christlichen Kirchen als auch vom Islam befürwortet, was sich auch auf Gesetze gegen Homosexualität bezieht. So befürwortet die Church of Nigeria nicht nur bestehende Sodomie-Gesetze gegen männliche Homosexualität, sondern befürwortete 2006 auch ein neues Gesetz[71], welches nicht nur gleichgeschlechtliche Partnerschaften und Partnerschaftsfeiern verhindern sollte, sondern jegliche Unterstützung von LGBT-Organisationen und -Aktivitäten unter Strafe gestellt hätte.[72] Der Nationale Rat der christlichen Kirchen Singapurs sprach sich 2007 für eine Beibehaltung des Sodomie-Artikels 377A des Strafgesetzes aus und forderte noch eine Erweiterung auf weibliche homosexuelle Akte.[73] In Ruanda gibt es bisher keine Sonderstrafgesetze gegen Homosexuelle, aber Moralgesetze, die gegen Homosexuelle angewendet werden. Der anglikanische Erzbischof Emmanuel Kolini, seit 1998 Oberhaupt der Church of the Province of Rwanda, seit 2002 auch jener der von der Ortskirche abgespaltenen Anglican Coalition in Canada, forderte die Regierung auf, ihre Initiative für ein spezifisches Verbot homosexueller Handlungen rasch umzusetzen, denn Menschen müssen sich vermehren. Alles andere führt zur Vernichtung.[74] Führer der äthiopisch-orthodoxen, der römisch-katholischen und der protestantischen Kirchen in Äthiopien forderten im Dezember 2008 neben der bestehenden Strafbarkeit mannmännlicher Sexualkontakte eine Änderung der Verfassung, welche einen Bann gegen Homosexuelle enthalten soll.[75]

    Eine Hormontherapie oder operative Korrektur geschlechtlicher Körpermerkmale wegen Transsexualität wird als Auflehnung gegen den Schöpfer gesehen, eine Sünde, die durch die Taufe vergeben werden kann, wenn sie entsprechend bereut wird. Getauft wird jedoch prinzipiell mit einem Taufnamen, der dem Geschlecht, dem der Mensch bei der Geburt zugeteilt wurde, entspricht. Eine Priesterweihe oder kirchliche Trauung ist für transsexuelle Personen nicht erlaubt.[23]

    Nach der Weihe von Gene Robinson zum ersten offen in einer homosexuellen Partnerschaft lebenden Bischof der zur anglikanischen Kirchengemeinschaft gehörigen Episkopalkirche der Vereinigten Staaten von Amerika haben Papst Schenuda III. von der Koptisch-Orthodoxen Kirche, Patriarch Ignatius Zakka I. Iwas von der Syrisch-Orthodoxen Kirche und Katholikos Aram I. von der Armenischen Apostolischen Kirche vorgeschlagen, weitere ökumenische Gespräche mit der anglikanischen Gemeinschaft zu verschieben, bis die diesbezügliche Situation in der anglikanischen Gemeinschaft geklärt ist. Die Russisch-Orthodoxe Kirche brach nach der Bischofsweihe von Robinson alle Zusammenarbeit mit der Episkopalkirche ab.

  2. Bayreuther Festspiele – Wikipedia

    de.wikipedia.org › wiki › Bayreuther_Festspiele
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    Richard Wagner wünschte sich ein Theater, an dem er als Komponist, Textdichter, Dramaturg und Intendant seine Vorstellungen vom Gesamtkunstwerk verwirklichen konnte. Dieses sollte sich abseits der Metropolen ohne Ablenkung und ohne die Kompromisse eines Repertoirebetriebs voll und ganz der Darbietung seiner Werke widmen können. 1871 entschied er sich für Bayreuth als Standort. Anfang Februar 1872 gründete er den Verwaltungsrat der Festspiele, Vorsitzender wurde der örtliche Bankier Friedrich Feustel.[2] Zur Finanzierung der von ihm auf 300.000 Taler geschätzten Kosten für den Bau eines Festspielhauses und die erste Saison gründete Wagner einen Patronatsverein, der unter der Leitung von Marie Gräfin von Schleinitz, einer Freundin seiner Frau Cosima Wagner, Anteilsscheine für jeweils 300 Taler ausgab. Der Käufer erhielt einen Sitzplatz für drei zyklische Aufführungen des Rings. Dies gilt als Erfindung des Fundraisings.[3] Weitere Vereine gründeten sich in verschiedenen deutschen Städten. Jedoch konnten bis Frühjahr 1873 nur 340 Patronatsscheine abgegeben werden. Das Richtfest des Festspielhauses fand im Oktober 1873 statt, noch bevor die Finanzierung gesichert war. Anfang 1874 drohte die Einstellung des Baus wegen fehlender Finanzmittel, woraufhin König Ludwig II. von Bayern aus freundschaftlicher Verbundenheit mit Wagner ein Darlehen über 100.000 Taler aus seinem Privatvermögen zur Verfügung stellte.

    Der künstlerische Erfolg der Aufführungen wurde durch einige bühnentechnische Pannen beeinträchtigt. Wegen des finanziellen Misserfolgs  es verblieben Schulden in Höhe von 148.000 Mark  konnten die nächsten Festspiele erst 1882 (mit der Uraufführung des Parsifal) ausgerichtet werden. Wie er in einem Brief an Ludwig II. schrieb, beabsichtigte Wagner, im Festspielhaus auch seine anderen Werke nach und nach in der Weise aufzuführen, dass diese Aufführungen als Muster der Korrektheit meiner nächsten Nachwelt überliefert werden können. Wenige Monate darauf starb der Komponist. Bis kurz vor seinem Tod trug er sich mit dem Gedanken, seinen Tannhäuser sowie den Fliegenden Holländer umzuarbeiten, um sie bayreuthwürdig zu machen. Eine Aufführung seiner Frühwerke (Das Liebesverbot, Die Feen, Rienzi) untersagte er zwar nicht, bekundete aber auch kein Interesse daran. Bis heute ist es in Bayreuth üblich, nur die zehn Hauptwerke vom Fliegenden Holländer bis zum Parsifal zu spielen. Im Rahmen der Entnazifizierung konzentrierte sich das Verfahren vor der Spruchkammer Bayreuth ausschließlich auf die Person Winifred Wagners, anstatt die Verstrickungen des gesamten Festspielbetriebs zu untersuchen. Winifred wurde in der Berufungsinstanz als Mitläuferin eingestuft, und nachdem sie rechtsverbindlich zugunsten ihrer Söhne Wieland und Wolfgang Wagner auf die Leitung der Festspiele verzichtet hatte, nur mit geringen Auflagen belegt, die für sie keine größeren und für die Neugründung der Festspiele durch ihre beiden Söhne Wieland und Wolfgang keinerlei Einschränkungen darstellten.[12] So war der Weg frei für die Wiederaufnahme der Festspiele. Am 18. August 1931 übertrug die Deutsche Stunde in Bayern erstmals eine Aufführung live aus dem Festspielhaus: Tristan und Isolde, dirigiert von Wilhelm Furtwängler. Angeschlossen waren über 200 europäische, amerikanische und afrikanische Sender; es war die erste Weltsendung in der Geschichte des Rundfunks.[44] Von einigen Bayreuther Inszenierungen gibt es Filmaufzeichnungen, u. a.:

    Wagner hat selbst keinen Nachfolger für die Leitung der Festspiele bestimmt. Nach seinem überraschenden Tod wurden sie von seiner Witwe Cosima fortgeführt und fanden zunächst unregelmäßig statt. Immer wieder musste aus wirtschaftlichen Gründen  der Festspielbetrieb war ein reines Privatunternehmen der Familie Wagner  pausiert werden, um finanzielle Engpässe zu überwinden. Auch war die Publikumsnachfrage nicht immer ausreichend, teilweise wurde vor nur mäßig gefülltem Haus gespielt. Nach Wagners Tod 1883 hatte Adolf von Groß, ein Freund der Familie Wagner, die Finanzverwaltung übernommen und eine strikte Ausgabendisziplin eingeführt. So konnten die Festspiele allmählich finanziell gesichert werden. Die Kredite aus dem Privatvermögen des bayerischen Königshauses wurden von der Familie Wagner noch bis 1906 zurückgezahlt. Die Festspiele selbst entwickelten sich im Wechsel zwischen künstlerischer Stagnation und Innovation. Cosima Wagner, die ab 1886 selbst Regie führte, hatte eine strenge Vorstellung von Werktreue. 1908 übergab sie auf dringenden Rat ihrer Ärzte die Leitung der Festspiele ihrem Sohn Siegfried Wagner, der schrittweise eine Modernisierung der Aufführungen ermöglichte. Der Erste Weltkrieg erzwang 1914 einen Abbruch der laufenden Saison; die Rückerstattung gelöster Karten verursachte ein hohes Defizit, so dass erst 1924 wieder Festspiele durchgeführt werden konnten. 1921 nahm eine neue Deutsche Festspiel-Stiftung mehr als fünf Millionen Mark aus dem Verkauf von Patronatsscheinen ein. Die Inflation der Jahre 1921/22 entwertete dieses Vermögen jedoch, so dass erst nach zehnjähriger Pause, am 22. Juli 1924, die Festspiele unter Leitung von Siegfried Wagner wieder eröffnet werden konnten. Die Meistersinger-Premiere geriet zu einer unverhohlen nationalistischen Veranstaltung; unter den Gästen waren Erich Ludendorff und Heinrich Claß. Der Schlussapplaus nach dem III. Akt mündete in das vom Publikum stehend gesungene Deutschlandlied. Die Festspielleitung sah sich dadurch zu einem Aufruf genötigt, dass solche Bekundungen zu unterbleiben hätten. Hitler hatte Bayreuth zuletzt 1940 besucht. Ab diesem Zeitpunkt wurden auf Anordnung Hitlers sogenannte Kriegsfestspiele durchgeführt. Die NS-Organisation Kraft durch Freude mit ihrer Abteilung Urlaub und Reisen übernahm den Kartenverkauf. Leiter dieser Abteilung war Bodo Lafferentz, der 1943 durch seine Heirat mit Verena Wagner Winifreds Schwiegersohn wurde. Lafferentz übernahm die Zuteilung der Karten, die vor allem verwundete Soldaten mit ihrem Pflegepersonal sowie Rüstungsarbeiter erhielten. Ab 1941 wurden die Festspiele immer stärker durch den Krieg beeinflusst. Da in der ersten Festspielwoche 1941 bereits ab etwa 21 Uhr totale Verdunkelung angeordnet war, begannen die Aufführungen schon kurz nach Mittag. 1944 standen nur noch die Meistersinger von Nürnberg auf dem Programm. Die letzte der zwölf Aufführungen des Jahres fand am 9. August statt. Es war die vorletzte Opernaufführung überhaupt im Dritten Reich[10], die letzte war die öffentliche Generalprobe der Liebe der Danae von Richard Strauss im Salzburger Festspielhaus am 16. August 1944.[11]

    Problematisch waren die Festspiele zu Anfang der 1930er Jahre: 1930 starb Siegfried Wagner erst 61-jährig an einem während der Probenzeit erlittenen Herzinfarkt. Die Festspiele wurden nun von seiner Witwe Winifred Wagner übernommen. Unterdessen kam es zwischen dem neu verpflichteten Dirigenten Arturo Toscanini und den beiden anderen Dirigenten der Jahre 1930 und 1931, Karl Muck und Wilhelm Furtwängler, immer wieder zu Spannungen und Eifersüchteleien. Toscanini widerrief kurz vor Beginn der Proben für die Festspiele des Jahres 1933 seine Zusage, da nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland eine ausländer- und vor allem judenfeindliche Stimmung herrschte.[7] Als Reaktion auf die Kritik beendeten die Festspiele 2012 zunächst die Tradition, ursprünglich zwei, ab 2010 eine Vorstellung exklusiv für Mitglieder des DGB Bayern vergünstigt anzubieten, um dessen Verdienste für die Neubegründung der Festspiele nach dem Zweiten Weltkrieg zu würdigen. Die Karten für diese Vorstellungen waren laut Medienberichten in der Vergangenheit in besonders hohem Maß auf dem Schwarzmarkt angeboten worden, so dass die eigentliche Zielgruppe nur bedingt erreicht wurde.[20] 2012 wurde die Kartenvergabe vollkommen neu geregelt: Ab 2012 kamen ca. 65 % der Karten in den freien Verkauf, weshalb der Richard-Wagner-Verband wie auch alle 138 Wagner-Verbände keine Kontingente mehr erhielt. Auch Reisebüros bekamen keine Eintrittskarten mehr.[21][22] Weiterhin bevorzugt behandelt wird aber die Mäzenatenvereinigung Gesellschaft der Freunde von Bayreuth.[23] Folge dieser Veränderungen war jedoch, dass inzwischen die Nachfrage nach Karten für die Bayreuther Festspiele stark zurückgegangen ist. 2016 waren selbst am Tag vor der Premiere noch nicht alle Vorstellungen ausverkauft. Leere Plätze bei einigen Vorstellungen waren bereits in den Jahren zuvor verschiedentlich aufgefallen.

    1949 wurde die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth gegründet, die sich zum Ziel setzte, Geldspenden zur Durchführung der Festspiele einzuwerben. Bereits an Pfingsten 1950 standen 400.000 DM bereit.[13] Bis heute hat die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth Spenden in Höhe von 60 Millionen Euro zugunsten der Bayreuther Festspiele geleistet. Musikalisch gelten die Festspielaufführungen  insbesondere bezogen auf Chor und Orchester  als weltweit außerordentlich, was auch mit der architektonischen und akustischen Besonderheit des Gebäudes (s. a. mystischer Abgrund) zu tun hat. Die Solisten werden für die jeweilige Saison eingeladen, wobei in den Anfangsjahren die Ehre der Einladung und die darauf folgenden Aufträge die Tatsache kompensierten, dass die Künstler in der Regel weit unterhalb ihrer Normalverdienste bezahlt wurden. Astrid Varnay wird zitiert mit den Worten: In Bayreuth wird gearbeitet, das Geld verdienen wir woanders. Dieser Grundsatz geht auf Richard Wagner selbst zurück, der erklärte: Die Sänger und Musiker erhalten von mir nur Entschädigungen, keine Bezahlung. Wer nicht aus Ehre und Enthusiasmus zu mir kommt, den lasse ich wo er ist.[14] Dieser Grundsatz wurde in den folgenden Jahrzehnten aufgeweicht, so dass kein Künstler alleine Neubayreuth zuliebe auf eine gerechte Entlohnung verzichtet (Michael Karbaum).[15] Machten Anfang der 1950er Jahre die Personalkosten noch knapp unter 50 % des Gesamtetats aus, wurden in den 1970er Jahren 7880 % für Gehälter und Gagen ausgegeben, was den Maßstäben anderer großer Bühnen oder Festspiele entspricht.[16] Der reguläre Eintrittskartenpreis liegt im Jahr 2016 zwischen 30 und 320 Euro (Plätze mit Sichteinschränkung für 25 und 10 Euro).[24] Im Verhältnis zur allgemein hohen künstlerischen Qualität gelten die Preise, auch verglichen mit anderen Festivals, als äußerst maßvoll. Lange Zeit galt die Mitgliedschaft bei den Freunden von Bayreuth, die mit weiteren Kosten (hoher Mitgliedsbeitrag und erwünschte Spenden) verbunden war, als sichere Möglichkeit, um überhaupt regelmäßigen Zugang zu Eintrittskarten zu bekommen.[17] Auf dem Schwarzmarkt wurden Aufschläge von bis zu 700 % auf den regulären Eintrittspreis bezahlt.[25] Ab der Saison 2017 werden für die Premierenvorstellungen der jeweiligen Neuproduktion 25 % des Kartenkategorienpreises auf den zu zahlenden Kartenpreis aufgeschlagen, bei den restlichen Vorstellungen der Neuproduktion werden 15 % des Kartenkategorienpreises auf den finalen Kartenpreis aufgeschlagen. Für die Wiederaufnahmen gelten die alten Preiskategorien.[26]

    Verschiedentlich gingen neue Impulse für Oper und Musiktheater von Bayreuth aus, so ab 1951 durch die Inszenierungen von Wieland Wagner, der mit seiner radikalen Entrümpelung der Bühne einen ästhetischen Neuanfang wagte, der stilbildend bis in die 1970er Jahre wirkte. 1976 ereignete sich in der Ring-Inszenierung von Patrice Chéreau zum 100-jährigen Jubiläum der Festspiele (sogenannter Jahrhundertring) erneut eine umfassende stilistische Veränderung und Erneuerung, die zunächst auch heftige Verstörung und Proteste hervorrief, später aber als richtungweisend und künstlerisch überragend anerkannt wurde.

    Jährlich finden bis zu 32 Aufführungen im Bayreuther Festspielhaus statt. Die Vorstellungen beginnen, wie zur Zeit Richard Wagners, bereits am Nachmittag, zwischen den Aufzügen gibt es einstündige Pausen[17], die wegen der Dauer und Komplexität von Wagners Werken durchaus angemessen erscheinen und inzwischen auch an anderen Theatern für Wagner-Aufführungen eingeführt wurden. Seit Wiederaufnahme der Festspiele nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1951 gibt es an den Aufführungstagen jeweils Einführungsvorträge zu den an den gleichen Tagen stattfindenden Vorstellungen. Als Referenten dieser von Wieland Wagner vorgeschlagenen Veranstaltungsreihe wirkten zunächst Erich Rappl und ab 1998 Stefan Mickisch. Seit einigen Jahren finden zwei Einführungsvorträge zu jeder Vorstellung statt, Referenten sind bzw. waren Stefan Mickisch und Detlev Eisinger (in dieser Funktion von 2002 bis einschl. 2008). Oft werden mehr als 10.000 Zuhörer pro Saison gezählt. An einzelnen Tagen werden auch Vorträge in englischer und französischer Sprache angeboten. Neben den kommerziellen Einführungen in das Werk gibt es seit einigen Jahren auch inszenierungsbezogene Einführungsvorträge im Festspielhaus selbst, die aber für Personen reserviert sind, die eine Eintrittskarte für die jeweilige Aufführung am Abend besitzen. Diese Vorträge beginnen jeweils am Tag der Aufführung um 10:30 Uhr. Referent ist Sven Friedrich, Leiter des Richard-Wagner-Museum mit Nationalarchiv und Forschungsstätte der Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth.[49] Seit 2013 werde auch allgemein zugängliche Einführungsvorträge jeweils zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn in der Walhall-Lounge direkt auf dem Festspielgelände angeboten.

    Über Jahrzehnte waren die 30 Vorstellungen lange im Voraus ausverkauft. Sie können von ca. 58.000 Zuschauern gesehen werden. Dieser Zahl gegenüber stand in manchen Jahren eine Nachfrage von bis zu 500.000 Kartenbestellungen, so dass mit Wartezeiten von zehn und mehr Jahren gerechnet werden musste. In der Folge entwickelte sich ein Schwarzmarkt mit Festspieltickets, dem wiederum durch personalisierte Eintrittskarten und Kontrollen begegnet werden sollte. Für die Meistersinger von Nürnberg des Jahres 1996 ist der Zorn Wolfgang Wagners über einen Kartenverkauf zum Zehnfachen des Normalpreises überliefert.[17] Diese intransparente Entwicklung war das Resultat der Kartenvergabepraxis der Wagner-Familie, zumindest bis zum Ende der Ära Wolfgang Wagner: Niemand wusste, wie viele reguläre Karten in den freien Verkauf gingen und wie viele Günstlinge, Sponsoren und Freundeskreise auf der Zuteilungsliste der Festspielleitung standen. Unklar blieb damit auch, wer wirklich die Aufführungen besuchte oder die zugeteilten Karten gewinnbringend weiterverkaufte.[18]

    Inzwischen werden für einen Teil der Vorstellungen auch online Eintrittskarten verkauft, in der Saison 2013 zunächst für eine Vorstellung, die in wenigen Minuten ausverkauft war. Seit 2014 werden Kartenkontingente online verkauft, die zunächst nach kürzester Zeit vergriffen waren.[27] Der Richard-Wagner-Verband vergibt jährlich Stipendien, vornehmlich um Studierenden einen unentgeltlichen Besuch der Aufführungen zu ermöglichen. Auch damit wird versucht, der Idealvorstellung Richard Wagners, jedem ernsthaft Interessierten ungeachtet seiner finanziellen Möglichkeiten den Besuch der Festspiele zu ermöglichen, gerecht zu werden.

    Farbig markiert sind die Wirkungszeiten der jeweiligen Festspielleiter, bezogen auf das Jahr der Premiere.

    Als Blaue Mädchen wurden die Türsteherinnen des Festspielhauses in Bayreuth bezeichnet.[41] Der Name entstand aus der bis 2008 traditionell blauen Farbe ihrer Uniform. Seit dem Festspielsommer 2009 sind sie jedoch einheitlich grau gekleidet, ab der Saison 2018 ist das Einlasspersonal in einem dunklen Hosenanzug gekleidet.

    2008 fand als Live-Übertragung aus dem Festspielhaus das erste Public Viewing einer Aufführung der Bayreuther Festspiele statt. Bei den Bayreuther Festspielen 2010 war das erste Public Viewing für Kinder am Vormittag mit der Filmaufführung der Kinderoper Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg sowie dem interaktiven Wagner-Erlebnisparcours und Rahmenprogramm für Kinder im Anschluss. Die Aufführungen konnten auch als Livestream im Internet verfolgt werden.[46] Nachdem sich der Sponsor Siemens zurückzog, gab es 2012 kein Public Viewing auf dem Volksfestplatz. Stattdessen wurde am 11. August eine Vorstellung des Parsifal live in über hundert Kinos gezeigt. Das Pausenprogramm mit Einblicken hinter die Kulissen und Interviews wurde moderiert von Katharina Wagner, Klaus Florian Vogt und Axel Brüggemann. 2013 wurde in ähnlicher Weise eine Aufführung des Fliegenden Holländers, 2014 eine des Tannhäusers, 2015 eine des Tristans in der Inszenierung von Katharina Wagner und 2016 eine des Parsifals unter dem Dirigat von Hartmut Haenchen im Kino übertragen.[47] 2017 ist eine Übertragung der Meistersinger-Produktion von Barrie Kosky in Kinosälen, auf Sky Arts sowie in einem Livestream auf der Internetpräsenz von BR-Klassik aufgeführt worden.[48]

    2010 wurde eine Tannhäuser-Bearbeitung gespielt,[46] 2011 ein Ring für Kinder, 2012 eine kindgerechte Fassung der Meistersinger von Nürnberg (Regie: Eva-Maria Weiss; musikalische Leitung: Hartmut Keil), 2013 (Regie: Michael Höppner; musikalische Leitung: Boris Schäfer) eine von Tristan und Isolde, 2014 ein Lohengrin (Regie: Maria-Magdalena Kwaschik; musikalische Leitung: Boris Schäfer), 2015 Parsifal in einer Fassung von Katharina Wagner (Regie: Tristan Braun; musikalische Leitung: Boris Schäfer).[50] und 2016 eine kindergerechte Fassung des Fliegenden Holländers. 2017 ist eine neue Tannhäuser-Produktion aufgeführt worden und somit ist der gesamte Bayreuther Werkekanon auch in den Kinderopern in seiner zweiten Serie.[48] Die 10 Aufführungen finden in den ersten zwei Festspielwochen statt (25. Juli 10. August) und werden seit 2009 auf der Probebühne IV gezeigt. Das Kinderfestspielorchester ist das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt (Oder). Eine Besonderheit ist die Mitwirkung von Kindern in der Produktion durch Kostümwettbewerbe oder als Statisten auf der Bühne.

  3. Max Frisch - Wikipedia

    en.wikipedia.org › wiki › Max_Frisch

    5 days ago · Max Rudolf Frisch (German: [maks ˈfʁɪʃ] (); 15 May 1911 – 4 April 1991) was a Swiss playwright and novelist.Frisch's works focused on problems of identity, individuality, responsibility, morality, and political commitment.

    • German
    • Architect, novelist, playwright, philosopher
  4. Schule – Wikipedia

    de.wikipedia.org › wiki › Schule
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    Die Schule (lateinisch schola von altgriechisch σχολή [skʰoˈlɛː], Ursprungsbedeutung: Müßiggang, Muße, später Studium, Vorlesung), auch Bildungsanstalt oder Lehranstalt genannt, ist eine Institution, deren Bildungsauftrag im Lehren und Lernen, also in der Vermittlung von Wissen und Können durch Lehrer an Schüler, aber auch in der Wertevermittlung und in der Erziehung und Bildung zu mündigen, sich verantwortlich in die Gesellschaft einbringenden Persönlichkeiten, besteht.

    Wortlisten aus Sumer lassen vermuten, dass es Schulen schon seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. gibt. Schultexte aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. als direkte Belege wurden im sumerischen Schuruppak (im heutigen Irak) gefunden. Die sumerischen Schulen, in denen die Schulbänke aus Lehmziegeln bestanden, wurden als Tafelhäuser bezeichnet. Als Fächer lassen sich Rechnen, Zeichnen und Sumerisch, d. h. Lesen und Schreiben, bestimmen. Im Unterricht wurden Aufsätze, Fabeln, Weisheitslehren, Hymnen und Epen verfasst. Die Väter genannten Lehrer zeigten zum Teil Humor, wie die Lehrgeschichte Fabel vom klugen Wolf und den neun dummen Wölfen zeigt, die die Schüler abschreiben mussten.

    In der Römischen Republik übernahmen die Eltern den Unterricht selbst. Es gab somit weiterhin keine Schulpflicht und auch keine öffentliche Schulform. Erst in der Römischen Kaiserzeit wurden öffentliche Schulen gegründet. Die Schüler schrieben wie im antiken Griechenland auf Wachstafeln oder Papyrus. Der Mathematik wurde zu dieser Zeit eher geringe Bedeutung beigemessen und die meisten Lehrer genossen nach wie vor kein hohes Ansehen. Der Unterricht fand teilweise auf dem Forum statt, wo es jedoch sehr laut war. Im mittelalterlichen Europa gab es zunächst nur kirchliche Schulen in Klöstern, in denen der Unterricht im Lesen und Schreiben ausschließlich Priestern und Mönchen vorbehalten war. Cassiodor verfasste im 6. Jahrhundert eine später Lehrplan genannte Studienordnung. Dieses Werk stellte eine Kanonisierung des Wesentlichen für die Schule dar. Er sah seine Klosterakademie als Bildungsgemeinschaft. Seine Schulpraxis stützte sich formal auf die ciceronische Überzeugungsrhetorik als erzieherischem Lehransatz. Dieser Lehrplan fand erst nach dem Tod des Verfassers in dem politisch geschaffenen abendländischen Kulturraum eine konsekutive Überlieferung in verschiedene Erscheinungsformen der Schule.[1] Erst ab dem 13. Jahrhundert wurden langsam öffentliche Schulen eingerichtet. Holztafeln oder Wachsplatten dienten als Schreibutensilien. Die körperliche Züchtigung war keine Seltenheit. Obwohl das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken bereits 1592 als kleinere staatliche Einheit die allgemeine Schulpflicht für Mädchen und Knaben eingeführt hatte,[2] und die Stadt Straßburg dem auch schon im Jahre 1598 mit einem entsprechenden Gesetz gefolgt war, setzte sich erst 1919 mit der Weimarer Verfassung die allgemeine Schulpflicht für ganz Deutschland durch.[3]

    Schulen werden je nach Schulträger in Schulen in öffentlicher Trägerschaft oder Privatschulen unterschieden. Im Schul- und Bildungssystem gibt es den Primär-, Sekundär-, Postsekundär- und Tertiär­bereich, wobei die International Standard Classification of Education (ISCED) diese Stufen noch weiter unterteilt und jede Stufe mehrere Jahrgangsstufen umfassen kann.

    Das Schulwesen in Deutschland ist in Grund- und Sekundarschulen mit ihren Schülern sowie Hochschulen mit ihren Hochschülern bzw. Studierenden (Studenten) aufgeteilt.

    2010 gab Deutschland durchschnittlich etwa 5800 Euro pro Schüler an einer öffentlichen Schule aus, davon sind rund 4600 Euro Personalkosten, 700 Euro Lehrmittel und 500 Euro Bau- und Sachinvestitionen. Dabei variieren die Ausgaben stark nach Schultyp und Land.

    Das Bundesland mit den höchsten Ausgaben war Thüringen mit 7700 Euro, gefolgt von Sachsen-Anhalt mit 7100 Euro, während Nordrhein-Westfalen mit 5000 Euro die geringsten Kosten hatte. Bei den allgemeinbildenden Schulen erstrecken sich die Ausgaben pro Schüler von 8600 Euro (Thüringen) bis 5500 Euro (Nordrhein-Westfalen). Auch bei den beruflichen Schulen liegt Thüringen (5300 Euro) auf dem ersten Platz, danach folgen Baden-Württemberg und Hamburg mit je 4700 Euro. Auf dem letzten Platz liegt hier Mecklenburg-Vorpommern mit 3100 Euro pro Schüler.

    Nicht einberechnet sind bei diesen Zahlen die Kosten des Schüler-BAföG.[6] Zu beachten ist, dass die Ausgaben für Schulen nicht unmittelbar mit dem Lernerfolg oder der Qualität des Schulsystems zusammenhängen, da insbesondere die Effizienz beim Mitteleinsatz von entscheidender Bedeutung ist.[7] Es wird oft kritisiert, dass die Schule, vor allem mit Abitur nach der zwölften Jahrgangsstufe, Bulimielernen für das Bestehen erfordert.[11][12][13] Der US-amerikanische Psychologe David Keirsey zeigt in seinen kritischen Essays, dass vom Schulsystem nur bestimmte Temperamenttypen gefördert, andere hingegen gehemmt werden. Er spricht sich auch deutlich gegen verhaltensändernde Pharmazeutika aus, die besonders im amerikanischen Raum häufig eingesetzt werden.[14]

    Die klassischen Schulfunktionen sind:[8] Durch die Schulpflicht schreibt in Deutschland der Staat im Gegensatz zu einer Bildungspflicht sogar vor, wie und in welcher Form Bildung zu erfolgen hat. Hausunterricht, bei dem Schüler von ihren Eltern oder Privatlehrern unterrichtet werden, ist von wenigen Ausnahmen abgesehen in Deutschland unzulässig. Aus der Schulpflicht folgt eine Aufsichtspflicht der Schule über die Kinder und Jugendlichen.

    Qualifikation und Sozialisation vermitteln den Heranwachsenden zusätzlich zum elterlichen Beitrag das kulturelle Kapital einer Gesellschaft von den Grundfähigkeiten wie Schreiben und Lesen bis zum erfolgversprechenden Auftreten. Manche Gesellschaftskritiker sprechen von einem zusätzlichen heimlichen Lehrplan, der all das umfasst, was neben dem offiziellen Lernprogramm angeeignet wird, um Erfolg zu haben, beispielsweise die Bildung von Netzwerken mit den Mitschülern oder Schummelstrategien.

    Die Schule erfüllt neben der Förderung auch die Funktion der Selektion, das heißt, die Heranwachsenden nach ihrer Leistungsfähigkeit einzuschätzen und ihnen am Ende der Schulzeit durch Vergabe von Schulabschlüssen für weitere Ausbildungsgänge eine vorläufige soziale Position zuzuweisen. Die schulische Funktion einer Berechtigungsvergabe ist im deutschen Schulwesen traditionell stärker ausgeprägt als etwa in den USA, wo andere Selektionsmechanismen greifen. Auf dem Wege dahin sind Schullaufbahnentscheidungen zu treffen. In der demokratischen Gesellschaft soll jedem Schüler eine gerechte Chance gegeben werden. Die Realisierung von Chancengleichheit gehört zu den zentralen Streitpunkten der Bildungspolitik. Auch der angemessene Zeitpunkt der Selektion ist umstritten. Die Persönlichkeit der Schüler wird vorwiegend geprägt, sich gegenüber gestellten Leistungsanforderungen und ihrer Bewältigung positiv einzustellen. Kritiker der Selektionsfunktion wenden ein, dass die Schule faktisch weitgehend die soziale Schichtlage, in die jemand hineingeboren wird, reproduziert und insofern eine demokratische Chancengleichheit nur auf dem Papier existiert. Die Berechtigungen, die etwa ein Hauptschulabschluss verleiht, sind zudem recht gering geworden. Loyalität zu gesellschaftlichen und politischen Normen stellt sicher, dass die bestehenden Institutionen und Verfahren überhaupt von der nächsten Generation akzeptiert werden und weiter funktionieren. Loyalitätssicherung ist in allen politischen Systemen eine zentrale Funktion des Bildungssystems. So war die Schule der DDR in höchstem Maße darauf ausgerichtet, die Existenz der DDR zu rechtfertigen (am Ende weitgehend erfolglos). In demokratischen Systemen ist die Ausbildung eines Demokratiebewusstseins eine Hauptaufgabe der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer. Das Auftreten von jugendlichem politischem Extremismus führt in der Regel zu einer Verstärkung der entgegensteuernden Schulaktivitäten im gefährdeten Bereich. In dieser Hinsicht erweist sich die Schule als ein die Gesellschaft stabilisierendes System.

    Über die einzelnen Schulen wachen auf verschiedenen Ebenen (je nach Schulform) die Schulaufsicht sowie die für Schule zuständigen Ministerien (ebenfalls mit verschiedenen Namen in den Bundesländern). Der direkte Vorgesetzte des Schulleiters ist meist ein Schulrat, ein Schulamtsdirektor oder ein Regierungsschuldirektor.

    Je nach Schule wird diese Organisation ergänzt durch: Schulen als demokratische Einrichtungen unterliegen der Beteiligung der Beschäftigten (Lehrer) sowie der Eltern, Schüler und weiterer gesellschaftlicher Gruppen:

    Die Zusammenarbeit in der Schule ist in Konferenzen organisiert. Die Beratungen sind nicht öffentlich. Die Konferenzen tragen verschiedene Bezeichnungen in den diversen Staaten und Ländern:

    Die Einschulung erfolgt seit dem 18. Jahrhundert nur einmal im Jahr. Es gibt aktuelle Überlegungen, dies zu ändern.

    Laut PISA-Studien hat Finnland das weltweit erfolgreichste Schulsystem. Eines der Vorbilder war das Schulsystem der DDR. In heutigen Tagen suchen finnische Bildungspolitiker nach neuen Vorbildern, um Kosten zu sparen und eine effektivere Selektion in Finnland einzuführen. In den ehemaligen englischen Kolonien wie zum Beispiel Tansania, Kenia und Gambia orientiert sich das Schulwesen an dem der früheren Kolonialmacht. Es gibt auch noch die klassische Schuluniform. Eine Schulpflicht wird hier nicht durchgesetzt. Neben einem monatlichen Schulgeld müssen die Schüler auch die Schulmaterialien bezahlen sowie die Lehrkräfte finanziell unterstützen. Kinder aus wohlhabenden Familien gehen zumeist in England zur Schule.

    Da diese Länder zumeist auf Grund politischer Instabilitäten und Fehlentwicklungen weder über das erforderliche Budget noch über ein wahres Interesse am lesenden Volk verfügen, sind qualifizierte Schulsysteme in diesen Ländern selten. Somit ist das Bildungsniveau in diesen Ländern über Jahrzehnte hinweg katastrophal und einer der Hauptgründe für fehlende Demokratisierungsprozesse und fehlende wirtschaftliche Erfolge.

  5. Hans Scholl – Wikipedia

    de.wikipedia.org › wiki › Hans_Scholl

    4 days ago · Hans Fritz Scholl (* 22.September 1918 in Ingersheim an der Jagst, Württemberg, heute Teil von Crailsheim; † 22. Februar 1943 in München) war als Mitbegründer und prägendes Mitglied der 1942/43 aktiven studentischen Widerstandsgruppe, die ihre ersten Flugblätter mit Weiße Rose unterzeichnete, ein deutscher Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

  6. Horst Tappert – Wikipedia

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    • Zusammenfassung
    • Militärische Laufbahn
    • Leben und Beruf
    • Persönliches
    • Tod
    • Beruflicher Werdegang
    • Hintergrund
    • Wirkung
    • Kritik

    Horst Tappert (* 26. Mai 1923 in Elberfeld; 13. Dezember 2008 in Planegg) war ein deutscher Schauspieler. Seine bekannteste Rolle war die des Oberinspektors Derrick in der gleichnamigen TV-Krimiserie.

    Zu einem späteren Zeitpunkt war Tappert Soldat der Waffen-SS und wurde zunächst bei einer Flak-Einheit in Arolsen und wie der Schöpfer der späteren Fernsehserie Derrick, Herbert Reinecker[1] 1943 bei der SS-Panzergrenadier-Division Totenkopf in der Sowjetunion eingesetzt; 1943 war er SS-Grenadier.[2][3]

    1945 war er als Kriegsgefangener in Seehausen/Altmark interniert und arbeitete bei einer Familie in Packebusch in der Landwirtschaft.[5]

    Nach dem Krieg lebte er in Gräfelfing nahe München und war ab 1957 in dritter Ehe mit Ursula, geborene Pistor, verheiratet. Er hatte drei Kinder aus seinen ersten beiden Ehen. Zu seinen Hobbys zählten unter anderem Angeln und Jagen. Im Jahre 1990 bekamen Ursula und Horst Tappert von der Kommune Hamarøy (Nordland, Norwegen) ein Angebot über ein kostenloses Stück Land für ein Ferienhaus.[6] Seine Frau Ursula hatte die gleiche Schauspielschule besucht wie Ellinor Hamsun, Tochter von Knut Hamsun. Auch war Horst Tappert bekennender Hamsun-Leser.[7] Ihr Ferienhaus behielten die Tapperts bis zum Jahre 2008, obgleich sie bereits seit einigen Jahren nicht mehr in der Lage waren, es zu besuchen.[8]

    Tappert starb am 13. Dezember 2008 im Alter von 85 Jahren in einer Klinik in Planegg bei München. Sein Urnengrab liegt auf dem Friedhof von Gräfelfing im Landkreis München.[9][10][11]

    Nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft stellte er sich als Buchhalter am neu eröffneten Theater der Altmark in Stendal (Sachsen-Anhalt) vor. Er geriet an den dortigen künstlerischen Leiter, der ihn zu einer Tätigkeit als Schauspieler überredete.[5] In seinem ersten Theaterstück spielte er die Hauptrolle des Dr. Striebel in Paul Helwigs Komödie Flitterwochen.[4] Ab 1946 erhielt er Schauspielunterricht bei Paul Rose. Unter ihm sammelte er in Köthen und am Landestheater Württemberg-Hohenzollern erste Bühnenerfahrungen. 1947 war Tappert in Tübingen auch für das von Elisabeth Noelle-Neumann mitbegründete Theaterunternehmen Interessengemeinschaft Freilichtspiele tätig.[2] Sein weiterer Weg führte ihn über das Stadttheater Göttingen (19491950), das Staatstheater Kassel (19501951) und das Theater der Stadt Bonn (19511953) an die Städtischen Bühnen in Wuppertal und 1956 schließlich an die Münchner Kammerspiele. Ab 1967 arbeitete Tappert als freier Schauspieler. 1968 schwamm Tappert auch auf der Edgar-Wallace-Welle mit, zuerst in Der Hund von Blackwood Castle, und wechselte dann im selben Jahr von der Rolle des Ganoven zum Gesetzeshüter und spielte zweimal den Scotland-Yard-Inspektor Perkins, zuerst in Der Gorilla von Soho und dann noch einmal in Der Mann mit dem Glasauge (1969). Für das ZDF spielte Tappert auch in dessen erster Krimiserie mit, ebenfalls 1968 in Das Kriminalmuseum. 1970 war Tappert erneut als Inspektor in dem pulvertrockenen Sittenreißer (Werbezeile) Perrak zu sehen. 1971 war Tappert in dem Fernsehfilm Yester der Name stimmt doch? zu sehen, dessen Titelgebung an die erfolgreiche Fernsehserie Graf Yoster gibt sich die Ehre aus dem Jahr 1967 erinnert, jedoch nach einem amerikanischen Kriminalroman gedreht wurde.

    Tappert ließ 1972 seine Rolle aus Die Gentlemen bitten zur Kasse in dem Fernsehzweiteiler Hoopers letzte Jagd wieder aufleben. Jetzt hieß er zwar Michael Richardson, aber er war im Prinzip der gleiche Gangster wie bei den Gentlemen und wurde erneut von dem ruhelosen Ermittler aus Die Gentlemen gejagt. Als der Produzent Helmut Ringelmann eine neue Krimiserie plante, erinnerte er sich an Tappert. Drehbuchautor Herbert Reinecker schrieb an der Nachfolge der sehr erfolgreichen Krimireihe Der Kommissar, in der Tappert bereits 1970 und 1973 mitgespielt hatte. Die neue Serie hieß Derrick und sollte einen anderen Typus von Kriminalisten zeigen. Tappert spielte darin ab 20. Oktober 1974 mit der ersten Episode Waldweg die Hauptrolle des Oberinspektors Stephan Derrick, dem als Assistent Harry Klein (gespielt von Fritz Wepper, direkt übernommen aus der Serie Der Kommissar) an die Seite gestellt wurde. Zwischen 1973 und 1998 wurden 281 Folgen der Serie gedreht, die nicht nur beim deutschen Publikum ein Erfolg war: Sie wurde in über 100 Ländern ausgestrahlt.[12] Als Stephan Derrick war er noch 2004 im Zeichentrickfilm Derrick Die Pflicht ruft zu hören.

    Bereits 1960 spielte er die Titelrolle in dem Stück Die Legende vom heiligen Trinker, 1968 konnte man ihn in einer Hörspiel-Adaption der Dreigroschenoper als Mackie Messer erleben. Auch in dem einzigen Paul-Temple-Hörspiel des BR von 1959 Paul Temple und der Conrad-Fall war er zu hören. Nach dem Beginn der Derrick-Reihe trat er beim Rundfunk nur noch selten als Sprecher in Erscheinung. 1976 sprach er in dem Hörspiel Der Fall der Kommissare ebenfalls die Rolle des Oberinspektors. In dieser Geschichte traten in- und ausländische Ermittler auf, die jeweils von ihren Original-Schauspielern und Original-Synchronsprechern gesprochen wurden.

    Nachdem 2013 die Mitgliedschaft Tapperts in der Waffen-SS bekannt geworden war, beschloss das ZDF 2016, keine Wiederholungen von Derrick-Folgen mehr auszustrahlen.[13]

  7. Jürgen Klopp - Wikipedia

    en.wikipedia.org › wiki › Jurgen_Klopp

    Mar 28, 2021 · (2013) and Und vorne hilft der liebe Gott (2016). Political views. In an interview for The Guardian in April 2018, Klopp expressed his opposition to Brexit claiming that it "makes no sense" and advocated for a second referendum. Politically, Klopp considers himself to be left-wing. He told journalist Raphael Honigstein: